Ladeinfrastruktur im Bestand: Worauf es wirklich ankommt
Die Frage kommt inzwischen in fast jedem Bestandsprojekt: Können wir hier Ladepunkte nachrüsten? Die Antwort hängt selten an der Wallbox, fast immer am Anschluss.
Erst rechnen, dann bestellen
Zehn Ladepunkte mit je 11 kW ergeben rechnerisch 110 kW zusätzliche Anschlussleistung. Das übersteigt in vielen Bestandsgebäuden den gesamten vorhandenen Hausanschluss.
Die Lösung ist selten eine größere Einspeisung – die ist teuer und dauert. Die Lösung ist dynamisches Lastmanagement: Die verfügbare Leistung wird auf die tatsächlich ladenden Fahrzeuge verteilt. In der Praxis laden selten alle Fahrzeuge gleichzeitig mit voller Leistung, und die meisten stehen ohnehin länger, als sie zum Laden brauchen.
Die drei Klärungspunkte
1. Wie viel Reserve hat der Anschluss? Aus den Lastgangdaten des Netzbetreibers lässt sich die tatsächliche Spitzenlast ablesen. Der Unterschied zur angemeldeten Leistung ist häufig größer als erwartet.
2. Wo verlaufen die Trassen? Der Weg von der Verteilung zum Stellplatz bestimmt einen großen Teil der Kosten. Tiefgaragen sind meist unkompliziert, freistehende Parkplätze selten.
3. Wer bezahlt den Strom? Mitarbeiterparkplätze, Besucher und Mieter brauchen unterschiedliche Abrechnungsmodelle. Das entscheidet über Eichrecht, Backend-Anbindung und Zählerkonzept – und sollte vor der Produktauswahl feststehen.
Anmeldepflichten nicht vergessen
Ladeeinrichtungen sind beim Netzbetreiber anzumelden; ab 12 kW ist eine Zustimmung erforderlich. Das ist keine Formalie, sondern kann bei knapper Netzsituation die gesamte Planung verändern.
Fazit
Ladeinfrastruktur im Bestand ist gut machbar – wenn die Leistungsfrage am Anfang steht und nicht am Ende. Wir klären das in der Regel in einem Ortstermin mit anschließender Lastanalyse.